Faltboot-Test auf der Mecklenburger Seenplatte (3)

Am nächste Morgen müssen wir als erstes die Boote umsetzen, denn Klenzsee und Plätlinsee sind nicht verbunden. Vom Kanuhof zum See sind etwa 250m zurückzulegen – zum Glück gibt es am Zeltplatz Bootswägen zum ausleihen. Es ist windig, sehr windig. Südwind zum Glück, also Rückenwind. Hier am Südende des Sees wirkt das Wasser noch ganz ruhig, viel Strecke hatten die Wellen noch nicht um sich aufzubauen.Wir setzen die Boote ein und sobald wir aus dem Uferbereich heraus sind, spüren wir

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Landtransport per Bootswagen

die volle Kraft des Windes. wir fliegen förmlich über den See, legen die 3,5km in kürzester Zeit zurück. Ein herrliches Gefühl! Je weiter wir nach Norden kommen, desto größer werden die Wellen. Und als wir am nordlichen See-Ende den Ausfluß nicht gleich finden und etwas manövrieren müssen, uns läng zu den Wellen drehen, da müssen wir schon ganz schön gegen die Kraft von Wind und Wasser ankämpfen. Aber dann ist es geschafft, wir fahren in die winzige Schwaanhavel ein und schlagartig ist es ruhig rundherum. Flach geht es jetzt weiter, so flach, dass wir die Steuerruder hochziehen müssen, und immer wieder müssen wir die langen Faltboote um herabhängende Bäume oder enge Kurven manövrieren. Ein starker Kontrast zum See gerade zuvor. Ein Gewitter zieht auf, dunkle Wolken bauen sich vor uns auf und man hört schon Donnergrollen von Ferne. Ein erster kurzer Schauer geht über uns

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Flucht aufs Feld (das Bild ist allerdings erst entstanden, als das Gewitter längst weitergezogen war)

nieder und wir ziehen im Boot sitzend umständlich unsere Regenjacken an. Das Gewitter kommt schnell näher, in immer kürzeren Abständen folgt Donner auf Blitz. Als es weniger als 2km von uns entfernt ist, beschließen wir, das Wasser lieber zu verlassen. Wir legen an, machen die Boote fest und laufen auf ein nahes Feld, wo wir uns zusammenkauern, während das Gewitter mit heftigem Platzregen direkt über uns hinwegzieht. Ängstlich drücken sich die Kinder an mich. Zum Glück ist der Spuk so schnell vorbei, wie er gekommen war und wir können weiterziehen. Um uns vor weiterem Regen zu schützen, ziehen wir die Spritzschürzen an, was die Kinder ziemlich begeistert, so dass auch der Schreck schnell vergessen ist.

Bald erreichen wir die Havel und müssen eine Schleuse mit Hilfe einer Gleislore passieren. Das macht speziell den Kindern natürlich großen Spaß und sie helfen engagiert beim Auf- und Abladen der Boote und beim Schieben. Als nächstes folgt der Woblitz-See, berüchtigt bei stärkerem Wind.

Zum Glück haben wir auch hier den Wind im Rücken und wieder sind am Südende

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wilde Fahrt auf dem Woblitzsee

die Wellen zunächst klein. Das ändert sich jedoch schnell und schon 3 km  weiter, wo der See eine Engstelle hat, haben die Wellen eine beachtliche Größe erreicht und fast durchgängig Schaumkrönchen. Aber: auch bei diesen Verhältnissen lassen sich die Boote hervorragend fahren und wir fühlen uns zu keinem Zeitpunkt unsicher. Richtig genießen können wir die letzten paar Kilometer trotzdem nicht, denn schon zieht das nächste Gewitter auf und wir wollen davon auf keinen Fall auf offenem Wasser eingeholt werden. Wir bieten also all unsere Kraft auf, um unser Ziel, den Campingpark Havelberge, möglichst schnell zu erreichen – und wir schaffen es, gerade noch, ganz knapp bevor das Gewitter uns einholt!

Kurze Zeit später scheint wieder die Sonne.  Den Nachmittag und Abend verbringen wir dann mit einer befreundeten Familie, die auf dem Weg an die Ostsee an der Mecklenburger Seenplatte Station macht. Eigentlich hatte wir geplant, uns irgendwo auf unser heutigen Tagesetappe zu treffen und dann gemeinsam zu paddeln, Aber das musste wetterbedingt leider ausfallen. Der Vermieter am Südende des Woblitzsees wollte heute aufgrund des Sturms (wir lesen später etwas von Böen bis zu 85km/h) überhaupt keine Boote verleihen, nicht einmal um auf der geschützten Schwaanhavel zu fahren, und der große See ist für Anfänger bei diesen Verhältnissen sowieso keine gute Idee, und so fiel die gemeinsame Fahrt leider flach.

Auf der Zeltwiese treffen wir noch auf einige Paddler, die in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind, aber gegen den heutigen Wind nicht ankamen und hier gestrandet sind – da haben wir bisher richtig Glück gehabt. Und wieder konnten wir unsere Boote ein weiteres Stück austesten und kennenlernen.

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