Daunenschlafsack selber nähen – Theorie und Materialien

Es ist mal wieder soweit: ein neuer Kinder-Daunenschlafsack muss her. Lange habe ich hin und her überlegt, ob Niklas nicht inzwischen so groß ist, dass ich ihm einen Erwachsenen-Schlafsack kaufen kann, aber dann habe ich mich doch noch ein letztes Mal fürs selber Nähen entschieden. Obwohl das bereits mein dritter selbstgenähter Schlafsack ist, musste ich doch wieder ziemlich überlegen, wie ich bei den letzten Malen alles bewerkstelligt hatte, deshalb schreibe ich diesmal alles auf (nur für den Fall, dass ich in einem Anfall von Wahnsinn doch irgendwann noch einen Weiteren nähen will).

Also, erstmal die Theorie:

  1. Grundlagen

Daunenbekleidung besteht aus zwei Schichten aus möglichst leichtem und daunendichten Stoff, dazwischen liegen die Daunen durch eine Kammerstruktur vor dem Verrutschen geschützt. Für moderatere Temperaturen reicht es, die Kammern einfach durchzusteppen (also einfach eine Naht durch beide Stoffschichten zu nähen), für tiefere Temperaturen benötigt man größere Kammern und muss die Kältebrücken vermeiden, die durch die druchgesteppten Nähte entstehen. Hierzu verbindet man die beiden Stoffschichten durch Stege, die z.B. aus Moskitonetz bestehen. Die Kammern können unterschiedliche Formen haben (Trapez, V-Form, H-Form), ich benutze hier H-förmige Kammern.

Querschnitt.jpg

2. Wärmeleistung

Je höher hierbei die Stege gewählt werden, desto größer das resultierende Kammervolumen und somit die Daunen-Füllmenge und die Wärmeleistung. Für die Kinderschlafsäcke habe ich immer 6cm hohe Stege verwendet (in einem Abstand von 10cm untereinander). Einen genauen Temperaturbereich, für den die Schlafsäcke geeignet sind kann ich natürlich nicht angeben, aber wir haben damit auch bei leichten Minusgraden bereits draußen geschlafen, ohne dass die Kinder gefroren hätten.

3. Größe:

Für die Abmessungen meiner ersten beiden Daunenschlafsäcke habe ich meinen eigenen Schlafsack ausgemessen, dann herunterskaliert und hier und da angepasst, wo mir die resultierenden Maße etwas schmal vorkamen, und wo ich dachte, dass die Kinder mehr Bewegungsfreiheit brauchen. Mit dem Resultat bin ich sehr zufrieden. Für den dritten Schlafsack habe ich die Maße des zweiten übernommen und ihn nur etwas verlängert, da mir die Breite ausreichend erschien.

Für die Länge habe ich inzwischen den Erfahrungswert, dass man ca. 20% mehr als die gewünschte Innenlänge ansetzen muss (aus dem Schlafsack, den ich in 140cm Länge genäht hatte ist Jaaku jetzt mit 115cm gerade herausgewachsen, die Größe war aber die letzten Monate schon ziemlich knapp). Mit wachsender Gesamtlänge reduziert sich der prozentuale Wert etwas.

Folgende Maße habe ich für die bisher genähten Schlafsäcke verwendet (Erklärung der x und y-Werte: siehe Grafik):

Muster.jpg

A.) Daunenschlafsack für ein Kind bis 115cm Größe:

Schlafsack140.JPG

B.) Daunenschlafsack für ein Kind bis ca. 140 cm Größe:

Schlafsack170.JPG

C.) Daunenschlafsack bis ca. 155 cm Körpergröße (Schätzwert!!!), schmal  geschnitten; im Folgenden werde ich mich immer auf diesen Schlafsack beziehen:

Schlafsack190.JPG

4. Füllmenge

wenn man die Abmessungen des Schlafsacks geklärt hat, kann man bereits die benötigte Füllmenge an Daunen abschätzen. Die Bauschkraft von Daunen wird in cuin gemessen. Cuin steht hierbei für „cubic inches“ und beschreibt, auf welches Volumen sich eine Unze Daunen nach  Kompression unter definierten Bedingungen wieder ausdehnt. 860cuin Daune bedeutet also, eine Unze dieser Daunen bauscht sich nach Kompression wieder auf 860 Kubikinches auf, oder anders ausgedrückt: mit einer Unze dieser Daunen kann man ein Volumen von 860 inch auffüllen.

Damit kann natürlich kein normaler Mitteleuropäer viel anfangen, also rechnet man das erstmal in vernünftige Einheiten um (bewusst provokativ ausgedrückt ;-))Umrechnung.JPG

Daraus folgt:

Mit 1 Gramm 860cuin Daune kann man ein Volumen von

860 cuin * 16,4 cm³/inch³ / 28,3 g/unze = 498 cm³  füllen.

Mit Ausnahme von Kapuze und Fußbox kann man die Kammern des Schlafsacks als langgezogene Quader ansehen und das jeweils benötigte Volumen leicht errechnen (Vorsicht: nicht vergessen, dass der Schlafsack eine Vorder- und eine Rückseite hat, die oben angegebenen Breiten müssen also jeweils verdoppelt werden!)

So ergibt sich beispielsweise für eine eine einfache Breite von 50cm ein Kammervolumen von 50cm * 2 * 6cm (Steghöhe )* 10cm (Stegabstand) = 6000 cm³ und somit eine Füllmenge mit 860cuin Daunen von 6000cm³/(498cm³/g) = 12 g.

So lassen sich die benötigten Füllmengen für die gerade verlaufenden Kammern alle berechnen. Die Fußbox (=unterer Abschluß des Schlafsacks) habe ich als 6cm hohen Zylinder berechnet, die oberste Kapuzenkammer als Halbkreis angenähert. In Summe ergibt sich für den Schlafsack C. (siehe oben) eine benötigte Füllmenge von 254g.

Da die Bauschkraft von Daunen mit dem Alter etwas nachlässt, befülle ich die Kammern immer etwas stärker als berechnet, schlage also auf die berechnete Daunenmenge nochmal 15% drauf (Overfill). Daher ergibt sich dann in Summe eine Daunenfüllmenge von 292g.

Hinzu kommen dann noch Wärmekragen und Reißverschluß-Abdeckleiste, die ebenfalls mit Daune befüllt werden, so dass man noch etwa 10-20g mehr Daune braucht. Wenn man den Overfill ein kleines bisschen reduziert, würde man für den beschriebenen Schlafsack mit 300g Daune auskommen, ich habe sicherheitshalber trotzdem 350g Daune bestellt und war ganz glücklich darüber, denn dann hat man etwas Reserve und muss nicht immer 100% genau arbeiten.

(zum Vergleich: mit 700 cuin Daunen bräuchte man für einen Schlafsack dieser Größe knapp 375g Daune (ohne Reserve))

5. Materialien

Für Außen- und Innenhülle des Schlafsacks braucht man jeweils möglichst leichten, daunendichten Stoff. Diesmal habe ich dazu Pertex (PTX) Quantum verwendet. Je nach Bahnbreite braucht man bis zu 8 Meter davon (Material für Wärmekragen, RV-Abdeckleiste, Kordeltunnel und Kleinteile bei der Berechnung nicht vergessen!).

Für die Stege verwende ich leichtes Moskitonetz, idealerweise in einer hellen Farbe (diesmal gab’s das leider nur in schwarz, was es schwierig macht, Markierungen anzubringen)

Diesmal habe ich das obere und das untere Ende der Schlafsacks aus einem anderen, wasserabweisenden Stoff gefertigt, damit die Daunen auch dann trocken bleiben, wenn Kopf oder Füßer während der Nacht an die feuchte Zeltwand stoßen. Hierfür habe ich PTX Endurance verwendet.

Insgesamt habe ich für den Schlafsack C folgende Materialien verwendet:

  • 4m PTX Quantum blau
  • 4m PTX Quantum schwarz
  • 0,8m PTX Endurance schwarz
  • 2m Moskitonetz
  •  Reißverschluß teilbar, 2-Wege, 120cm
  • 2 Tankas/Kordelstopper
  • 2m Gummizug schwarz, 3mm
  • 2m Polyamid-Kordel, schwarz, 3mm
  • 10cm Klettband, 38mm (Flauschband + Häkchenband)
  • 350g Daune, 860cuin
  • 4m Saumband, schwarz, 20 mm

Alle Materialien bis auf Reißverschluß (in dieser Länge) und Saumband kann man bei Extremtextil erhalten.

Soweit also die Theorie. Die Praxis inklusive reichlicher Bebilderung kommt dann im nächsten Artikel.

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