Wandern und Paddeln in Finnisch-Lappland (15)

Schwer bepackt mit Ausrüstung und Essen für drei Tage geht es am nächsten Morgen also los. Vorerst haben wir noch Glück mit dem Wetter, es ist sonnig und mild.Am Ufer des Inarisees entlang geht es bis zur Mündung des Juutuanjoki und dann am rechten Ufer entlang flußaufwärts. Kleine bunte Tafeln erzählen Wissenswertes über den Fluß und die Geschichte der Gegend. Zuerst ist der Weg sehr schön, ein kleiner Trampelpfad

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Juutuanjoki

direkt am Wasser, aber schon bald wird eine breite, fade Schotterpiste daraus. So sind wir z8iemlich froh, als wir nach gut 3 Kilometern die Stromschnelle Jäniskoski und die hier über den Fluß führende Hängebrücke erreichen. Jäniskoski ist die größte und wildeste stromschnelle des Jutuanjoki und wird mit Wildwasser IV eingestuft. Schon von weitem vernimmt man das Rauschen der Wassermassen. Wir überqueren die Gitterbrücke und unter uns brausen und tosen die wellen, dass einem schwindlig werden könnte – gut das die Geländer hervorragend gesichert sind, denn auf die Kinder üben Brücke und Stromschnelle eine magische Anziehungskraft aus.

An der nahegelegenen Feuerstelle kochen wir unser Mittagessen und setzen dann unseren Weg am linken Flußufer fort. Hier führt wieder ein kleiner, angenehm zu laufender Pfad entlang. Unser Ziel für heute ist die halbüberdachte Feuerstelle Laurin Laavu, wo wir unser „Basislager“ für die Besteigung der 420m ü NN hoch aufragenden Otsamo errichten.

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…und Rohrnudeln

Ganz in der nähe der Feuerstelle finden wir einen guten Zeltplatz und wir verbringen einen gemütlichen Abend mit Popcorn und Rohrnudeln (auf Wunsch der Kinder mit Gummibärchenfüllung, zur Nachahmung weniger empfohlen),  während sich das Wetter nach und nach eintrübt.

In der Nacht und am nächsten Morgen regnet es in Strömen. Keine optimalen Voraussetzungen für eine Bergwanderung! Laut Vorhersage soll es richtung Mittag zwar wolkig bleiben, aber zumindest trocken sein. Wir lassen uns also viel Zeit mit dem Frühstück, aber als wir aufbrechen regnet es noch immer. Der Pfad ist voller Pfützen und tief eingegraben zwischen knöchelhohem Blaubeergestrüpp. Nur quälend langsam kommen wir voran, denn jede Pfütze muss bespielt werden, jede Ameisenstraße kommentiert. Jaaku ist das Blaubeergestrüpp etwas unheimlich und er setzt SEHR bedächtig einen Fuß vor den anderen.Hier und da sieht man durch den Wald schemenhaft den Berg im Grau ind Grau von Regen und Wolken.

Wir überlegen schon, ob die Wanderung bei diesen Bedingungen überhaupt Sinn macht,

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Pfützen und enger Bewuchs

denn eine Aussicht werden wir oben wohl nicht haben. Aber als der Weg etwas breiter und trockener wird, erhöht sich das Tempo unseres Jüngsten plötzlich merklich und als es dann noch richtig bergauf geht, ist er nicht mehr zu stoppen.

Der Regen hat inzwischen aufgehört und als wir langsam die Baumgrenze erreichen, wird auch die Bewölkung immer weniger dicht. Und dann kommt sogar – völlig unerwartet – die Sonne heraus und als wir schließlich auf dem Gipfel stehen, haben wir bestes Wanderwetter und eine grandiose Aussicht. Von hier oben kann man einen Großteil unserer Tour der letzten Wochen sehen: den großen See Pataari im Westen, mit seiner markenten Insel in deren Nähe unser Traumstrand lag, dahinter die Berge des Lemmenjoki-Nationalparks, im Süden den Solojärvi, wo wir unsere Paddeltour beendet hatten, davon abgehend der Juutuanjoki und schließlich im Osten der riesige Inarisee.

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herbstliche Farbenpracht

Rundherum auf dem flachen Berggipfel leutet die Natur in herbstlicher Farbenpracht auf: gelb und grün und rot und dazwischen verwitterte, flechtenbewachsene Steine.

Unfassbar, dass wir solches Glück mit dem Wetter haben!

auf dem Gipfel steht eine kleine Brotzeithütte, ausgestattet mit Holzofen und Gaskocher und für jedermann zu benutzen. Hier kochen wir unser Mittagessen, und als wir fertig sind, sehen wir in der Ferne schon wieder die ersten Schauer aufziehen. Höchste Zeit also, sich auf den Rückweg zu machen. Beim Abstieg bekommen wir noch ein paar intensive Regenbogen zu sehen, aber bald geraten auch wir in die ersten Schauer.

So naß wie eir aufgebrochen sind erreichen wir wieder unser Lager. Den Abend verbringen wir damit, unsere nassen Sachen zu trocknen und Würstchen zu grillen – ein allerletztes Mal auf dieser Tour.

Am nächsten Tag bleibt nur noch der Rückweg und das lappländische Wetter zeigt sich zum Abschied noch einmal von seiner besten Seite.

Schon kurz nach Mittag sind wir zurück am Campingplatz und nun heißt es, unsere Ausrüstung zu trocknen und alles für die morgige Heimreise vorzubereiten.

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