Wandern und Paddeln in Finnisch-Lappland (10)

Nach Regen kommt Sonne und mit der Sonne kommt der großartigste Paddeltag, den man sich vorstellen kann.

Als ich frühmorgens aus dem Zelt krieche lichtet sich gerade der Nebel in wabernden Schwaden und macht der Sonne platz. Das rote Packraft ist repariert und stramm und so

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Höhlen im Flußufer

steht der Weiterfahrt nichts im Wege. Noch ein paar  mäandernde Flußkilometer haben wir heute vor uns und dann folgt der Paatari, ein großer, in ost-westlicher Richtung verlaufender See, der von den Dimensionen her mit dem Ammersee vergleichbar ist. Dieser See war auch mein Haupt-Sorgenpunkt während der Tour: wenn hier der Wind aus der falschen Richtung kommt, wird kein Vorankommen mehr möglich sein. Und auch starker Rückenwind könnte kritisch werden, hat der Wind doch gute 10 km ungehinderten Weg um die Wellen aufzutürmen.

Aber heute herrscht gar kein Wind! Und für morgen ist nur eine schwache Brise angekündigt.

Vorerst aber sind wir noch auf dem Fluß unterwegs. Die Strömung ist unverändert gut und wir kommen schnell und einfach voran. Die Ufer werden flacher und bald weichen die steilen Sandabbrüche großen Sandbänken. Wir passieren ein von kleinen Höhlen durchzogenes Uferstück und an einer Stelle ist plötzlich ein Netz quer über den Fluß gespannt – den Grund können wir nicht erkennen, aber zum Glück gibt es sitlich einen kleinen Durchlass, so dass wir gut daran vorbeikommen.

Und dann liegt der Paatari vor uns. Riesig und unbewegt. Nicht ein Boot ist zu sehen auf den

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wir pirschen uns heran

ersten Blick wirkt der See völlig unberührt von menschlichem Einfluß. Die Wolken spiegeln sich im spiegelglatten Wasser und fast ehrfürchtig paddeln wir voran. Wir passieren ein verfallenes Gehöft und halten dann auf eine große Insel zu. Vor uns kreist ein Seeadlerpärchen am Himmel und stürzt immer wieder unvermittelt aufs Wasser hinab. In völliger Stille arbeiten wir uns Schlag für Schlag voran.

Unser heutiges Ziel ist ein vorher per Satellitenbild ausgekundschafteter Sandstrand etwa auf Höhe der großen Insel. Schon bald kommt der gelbe Sand in Sicht und wir halten direkt darauf zu. Als wir näher kommen, entdecken wir ein paar graue Felsen im Sand, bald darauf verzweigte Stöcke an den Felsen…? Und dann beginnen die Felsen sich zu bewegen – und wir erkennen, dass es in Wirklichkeit Rentiere sind, die den warmen Sonnenschein genießen. Vorsichtig pirschen wir uns heran, aber irgendwann wird ihnen die Sache doch unheimlich und sie stehen widerwillig auf und ziehen sich in den Wald zurück. (Später kommen sie sogar noch einmal zurück, wohl um zu sehen, ob wir ihren schönen Strandplatz wieder freigegeben haben…)

der Sand ist voller Rentierspuren, aber nicht ein einziger menschlicher Fußabdruck ist zu sehen. Zwischen den ersten Bäumen finden wir einen ebenen Lagerplatz und beginnen sogleich mit dem Zeltaufbau. Und dann wird gebadet und es ist so herrlich im Wasser und auf dem warmen Sand, in der milden Sonne, dass man meinen könnte wir wären nicht im hohen Norden Finnlands sondern an der italienischen Mittelmeerküste.

 

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