Per Packraft auf dem Tagliamento (1)

Fronleichnam: Langes Wochenende, gutes Wetter und noch keine Pläne. Immer wieder stand im Raum, unser Glück nochmal mit dem Tagliamento zu versuchen, aber die lange Anfahrt, der unsichere Wasserstand… wir zögern die Entscheidung hinaus. Aber dann: die Pegel sehen vielversprechend aus, VIEL mehr Wasser, als bei unserem letzten Versuch. Also fällt Dienstag ganz kurzfristig die Entscheidung: ja, wir machen’s! Fieberhaft packen wir unsere Sachen, suchen nochmal alle Informationen zusammen und bereiten uns vor auf die große Fahrt.

Am Mittwoch komme ich möglichst früh von der Arbeit (Lars hat bereitsk-IMG_0800.JPG frei), aber dann dauert es soch noch bis 15 Uhr, bis wir endlich loskommen. Tja, und auf der Höhe von Holzkirchen bemerken wir dann, dass wir die Kinderreisepässe vergessen habe – Mist! In der derzeitigen politischen Situation wollen wir das Risiko nicht eingehen und drehen nochmal um. Als wir uns dann um 17 Uhr das zweite Mal auf den Weg machen, ist der Feierabend-Feiertagsverkehr bereits so dicht, dass kein Durchkommen mehr ist. Wir drehen erneut um und sehen schon das wertvolle lange Wochenende ungenutzt durch unsere Finger rinnen. Nein! Das lassen wir nicht zu! Am nächsten Morgen stellen wir uns die Wecker auf 5 Uhr, tragen die Kinder im Schlafanzug ins Auto und sind um 6 Uhr morgens zum dritten Mal auf dem Weg zum Tagliamento (naja, eigentlich zum vierten Mal, aber den Part, wo wir nochmal umdrehen mussten weil ich beim Einkaufen meinen Geldbeutel mit meinem Ausweis in die andere Tasche gesteckt hatte, verschweige ich hier einfach mal).

Auf leeren Straßen kommen wir schnell voran und haben um 10 Uhr unser Ziel, Venzone, erreicht. Wie beim letzten Mal parken wir an der Brücke und bauen unter der Brücke unsere Boote auf.  Um kurz nach 11 Uhr kann es dann endlich losgehen!

Das Wasser ist türkisblau und eiskalt und fließt mit hoher Geschwindigkeit, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Im breiten Kiesbett des Tagliamento ist diesmal merklich mehr Wasser als beim letzten Mal. Hier und da gibt es deutliche Wellen und Verschneidungen, wenn zwei Stömungen aufeinandertreffen, ansonsten wartet der Fluß nicht mit nennenswerten Schwierigkeiten auf. Die Sonne brennt heiß vom Himmel und um uns herum erhebt sich ein beeindruckendes Bergpanorama – wunderschön!

Schon bald erreichen wir das Halbwehr von Ospedaletto, das wir leider nicht umfahren können: beim jetztigen Wasserstand vereinigt sich alles Wasser in dem Arm, der zum Wehr führt. Während die Kinder im Kiesbett Dämme bauen, schleppen wir Boote und Gepäck und schon bald können wirk-IMG_0846 unsere Fahrt fortsetzen. Bald darauf haben wir das nächste Hindernis erreicht: die Sohlschwelle unter der Straßenbrücke zwischen Pineta aund Braulins. Beim letzten Mal war die Stelle gerade so fahrbar gewesen. Der Beschreibung nach soll man rechts an den stacheligen Sichtbetonpfeilern vorbeifahren (beim letzten Mal waren wir noch ein Stück weiter rechts gewesen). Ein kurzer Blick, dann entscheide ich mich die Stufe einfach hinabzufahren, was auch ohne Weiteres klappt. Lars kommt hinterher, bleibt dann aber auf einem Stein hängen und muss ordentlich ruckeln, um sich wieder zu befreien. Ein letztes Hindernis erwartet uns jetzt noch, dann nur noch freier, unverbauter Fluß bis Latisana.

Wenig später sind wir auch schon da: an der Autobahnbrücke bei Osoppo, an der drei Betonstufen umtragen werden müssen. Hier hatten wir aus Wassermangel beim letzten Mal die Tour abgebrochen. Heute sieht das ganz anders aus: ein wasserreicher Arm des Tagliamento erwartet uns auch auf der anderen Seite der Brücke. Aber erst einmal ist Schleppen angesagt! Während Lars sich um Boote und Gepäck kümmert, koche ich uns ein Mittagessen und beaufsichtige die Kinder.

Frisch gestärkt kann es dann weitergehen. Der Fluß trägt uns flott voran, die Berge treten langsam in den Hintergrund und steile Felshänge werden abgelöst durch dicht bewaldete Hügel. Rechts zieht das malerische kleine Dorf Peonis vorbei, dann fühlt man sich kilometerlang wie in unberührter Natur.

Es ist heiß und langsam macht sich die arg kurze Nacht bemerkbar.k-IMG_1049 Als wir die nächste Brücke erreichen, die über eine Insel führt, entdecken wir einen wunderschönen Platz zum Rasten: eine Felswand gibt Schatten, ein ebener, erhöht liegender Platz ist ideal zum Zelten und kleine Wasserläufe und ruhige Tümpel laden zum Spielen ein – hier schlagen wir unser Lager auf!

Die Kinder toben herum, sind bald von oben bis unten mit Schlamm bedeckt, fordern einander heraus, im eiskalten Wasser zu baden. Wir ruhen uns erst einmal aus, bauen das Zelt auf und dann wird ein Lagerfeuer gemacht und gegrillt.

Es wird ein wunderschöner, langer Abend und wir sind schon gespannt, was der nächste Tag so bringen wird.

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