Uffinger Ach (du Sch…) – ein Miststück von einem Fluß

Meine Jungs sind zur Zeit ausgeflogen und das versprach ein paar sehr entspannte Tage, die ich eingetlich mit Nichtstun und Faulenzen füllen wollte, beides Tätigkeiten, zu denen ich sonst eher selten komme. Aber bei solchem Wetter wäre es ja eine Schande, zu Hause zu sitzen. Also mache ich mich auf zu einer Solotour mit dem Packraft. Mein Ziel ist die Uffinger Ache, ein kleiner Fluß, den ich schon lange im Auge habe, der aber – der Beschreibung nach – nichts für die Kinder ist.

Die Uffinger Ache entwässert den Staffelsee, den wärmsten See Bayerns, fließt stark mäandernd Richtung Norden und mündet nach knapp 20 Kilomek-IMG_0612.JPGtern in die Ammer. Geprägt ist der Fluß durch zahlreiche Baumhindernisse, die immer wieder den Weg versperren und zum Umtragen zwingen – ich weiß also grob worauf ich mich einlasse, es soll keiner sagen, ich wäre nicht gewarnt gewesen!

Trotzdem – oder gerade deshalb will ich es wagen und mich von Uffing über die Ach bis zur Ammer und dann bis Weilheim durchschlagen.

Es ist ein heißer Tag und der Staffelsee ist, wie gesagt, recht warm, also verzichte ich auf Kälteschutzkleidung. Obwohl ich viel Zeit im Wasser verbringen werde, ist das heute eher eine willkommene Abkühlung…

Um halb neun fahre ich also mit dem Zug nach Uffing und laufe vom dortigen Bahnhof etwa 1,5 Kilometer bis zu einer Brücke am Ende des Dorfes, wo ich mein Boot einsetzen will. Eine geeignete Stelle ist schnell gefunden und schon um kurz vor 10 Uhr bin ich auf dem Wasser. Die Strömung ist gut, das Wasser klar, hier und da muss man um Gebüsch und kleinere Totholzansammlungen herumnavigieren – so weit, so gut!

Nach ein paar hundert Metern kommt die Vogelmühle in Sicht, die umtragen werden muss, dann geht es weiter im Sonnenschein zwischen Schilfbewachsenen Ufern, hier und da ist sogar ein Schild mit der Flußkilometrierung angebracht. Vielversprechend…

Wenig später ist wieder Schluß, ein weiteres Mühlenwehr versperrt den Weg und wieder muss umtragen werden. In meiner Flußbeschreibung war davon nicht die Rede gewesen, beschildert ist auch nichts, aber, was solls, schnell umtragen, schnell wieder einsetzen und weiter geht die Fahrt.

k-IMG_0666Die Kulturlandschaft ist jetzt zu Ende und es geht in dichten Wald hinein. Noch komme ich gut voran, während links und rechts die Ufer immer steiler und unnahbarer werden. Dann beginnen die ersten größeren Totholzansammlungen und Baumleichen den Weg zu versperren. Aber: mit Aussteigen und Umtragen ist da meistens nichts, zu steil und zu dicht bewachsen sind die Ufer. Also: das Hindernis anfahren, hinaufklettern, balancieren und: nichts anfassen, denn alles ist so morsch, dass es sofort abbricht, wenn man versucht sich daran festzuhalten. Dann: Boot über das Hindernis ziehen, wieder einsteigen, weiterfahren bis zum nächsten toten Baum, der meist nur ein paar Meter weiter ist. In kürzester Zeit bin ich bis zur Hüfte durchnässt, denn immer wieder muss ich ins tiefe Wasser steigen.

Manche Hindernisse türmen sich so massiv vor mir auf, dass ich doch irgendwie ans Ufer muss und mit und meinem Boot einen Weg durchs dichte Unterholz bahnen muss. Natürlich ist alles voller Brennesseln (und natürlich ist meine Trekkinghose nicht dicht genug, um diese völlig abzuhalten). Ich klettere über meterhohe Kanten, ziehe mein Boot hochkant zwischen Bäumen hindurch, kämpfe mich durchs Gestrüpp nur um dann wieder ein paar Meter paddeln zu können. Wow, gar so krass hatte ich mir das nicht vorgestellt. Dieser Fluß ist wehrhaft! Und hält noch die ein oder andere weitere Überraschung bereit: immer wieder kündigt lautes Rauschen eine Felsstufe an, wo es unvermittelt ca. 0,5 Meter hinabgeht. Macht auch keinen Unterschied mehr.

Ich höre auf zu zählen, wie oft ich aussteigen muss und verliere jedes Gefühl für Zeit undk-IMG_0705 Distanz. Paddeln, anhalten, klettern, manchmal gelingt es mir, mich unter einem querliegenden Baum hindurchzumogeln, indem ich mich flach ins Boot lege.Ich wüsste nicht, welches Boot für diesen Fluß besser geeignet wäre, als ein Packraft. Zum ersten Mal nutze ich die Vorzüge dieses Boots voll aus.

Mal wird kurz der Wald etwas lichter, die Baumhindernisse weniger, dann beginnt alles wieder von vorne. Ich fühle mich wie im tiefsten Urwald. Wie weit es wohl noch ist?

Irgendwann höre ich plötzlich Stimmen und sehe Radfahrer in der Nähe, dann ein paar Kinder am Ufer und kurz danach fahre ich unter einen Brücke hindurch. Jetzt weiß ich wieder wo ich bin, jetzt müsste ich bald wieder die Zivilisation erreicht haben. Und tatsächlich, der Wald wird lichter und ich muss nur noch vereinzelte Hindernisse überwinden. Dann ist die Strecke plötzlich frei und ich komme zügig voran. Ein Schild warnt vor „Wehren bis zu Einmündung in die Ammer“ (wieder eine Überraschung), aber die sind zum Glück alle ohne Weiteres fahrbar. Ich passiere eine weitere Brücke, dann eine dritte. Damit weiß ich, dass ich jetzt in Maxlried bin. Lauf meinem Paddelführer ist im Mündungsgebiet wieder vermehrt mit Baumhindernissen zu rechnen – neee, dazu habe ich jetzt keine Lust mehr, und wozu habe ich ein Packraft! Ich steige also aus und klettere die steile Böschung hinauf, packe mein Boot zusammen und gehe die ca. 1,3 km, die mich noch von der Ammer trennen kurzerhand zu Fuß.

Ich bin überrascht, dass es noch garnicht so spät ist, als ich in Maxlried aussteige ist es gerade mal 13 Uhr und somit habe ich für die ca. 12 Kilometer auf der Uffinger Ach nur etwas mehr als drei Stunden gebraucht.

k-IMG_0750.JPGAn der Ammer angekommen baue ich das Boot wieder auf und weiter geht die Fahrt, diesmal ohne jegliches Hindernis. Die Strömung treibt mich schnell voran und nach kurzer Zeit habe ich auch schon den Ammerdurchbruch erreicht, die einige Stromschnelle auf dieser Strecke, bewertet mit WWII-. Ich fahre vorsichtig heran, und muss dann grinsen: verglichen mit dem, was ich heute schon gefahren bin, wirkt die Stromschnelle direkt niedlich!  Die restliche Strecke inklusive eines Wehrs (das ich umtrage) und zweier Sohlstufen (die ich fahre) habe ich schnell hinter mich gebracht und am „Auwehr Weilheim“ beende ich meine Fahrt. Es ist viertel vor drei, für die gesamte Tour habe ich also knapp fünf Stunden gebraucht – ohne Pausen allerdings. Die hole ich jetzt nach und liege gemütlich einige Zeit im Schatten bevor ich mich auf den Weg zum Zug mache, um noch pünktlich zu meiner Essensverabredung in München zu sein.

Was für eine Tour!!!

Tourdaten: Pegel Uffinger Ache: 42 cm

Pegel Ammer (Peißenberg): 80cm

Paddeln: ca 20km (12 km Uffinger Ache, 8km Ammer)

Laufstrecken: ca. 4km

Charakter: Urwald, sehr anstrengend, Trittsicherheit, Balance und gute Bootsbeherrschung zwingend erforderlich!

 

 

 

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