Winterreise nach Grönland(8) – Spaziergang auf dem Meer

Das Wetter ist unverändert schön und so nutzen wir am nächsten Tag die Gelegenheit, die zugefrorene Bucht weiter zu erkunden.Das offene Wasser zwischen den Eisschollen ist über Nacht gefroren und die Ränder der Konvektionszonen bilden ein bizarres Muster auf der Oberfläche, ähnlich den Teilen eines Puzzlespiels.k-IMG_7185.JPG Am Ausgang der Bucht, wo die Kormoranfelsen steil aufragen, beobachten wir ein kleines Motorboot, das sich mühevoll den Weg durchs Eis bahnt. Die großen Eisschollen liegen dicht an dicht und lassen keine Durchfahrt erkennen. Immer wieder steuert der Fischer sein Boot aufs Eis und lässt sich langsam wieder rückwärts herunterrutschen, um die Scholle zu verschieben. Viele Male muss er das wiederholen, bis er endlich das offene Meer erreicht hat.

Wir laufen immer an der Eiskante entlang. Hier und da sieht man schon kleine Risse (durch den Wechsel von Ebbe und Flut ist das Eis immer etwas in Bewegung), aber das Eis auf dem wir stehen ist solide. Die Kinder können nicht glauben, dass wit tatsächlich auf gefrorenem Salzwasser laufen, also schlage ich ihnen kleine Stückchen heraus zum probieren – tatsächlich salzig! Niklas ist ganz begeistert von dem „Meereislutscher“ und besorgt sich mehr. Bäuchlings liegen die Beiden nun geraume Zeit an der Eiskante, erkunden und experimentieren.

Irgendwann biegen wir ab Richtung Ufer. In der Randzone zwischen Meer und Küste ist das Eis vielfach aufgebrochen, ein Graben voller großer und kleiner Brocken, der sich mit Ebbe und Flut hebt und senkt. Auch hier kommen wir nicht um eine längere Pause herum. Die Kinder stochern im Graben herum, bis das Meerwasser hervorkommt, werfen Eisbrocken hinein, testk-IMG_7343en die Tiefe mit unseren Wanderstöcken… Nur langsam arbeiten wir uns zurück nach Rodebay.

Inzwischen ist ein Boot mit Tagestouristen angekommen und der Ort wirkt richtig belebt. Auf der Terrasse des Hotels werde ich plötzlich auf deutsch angesprochen, und nicht etwa von anderen Touristen sondern von einer Grönländerin. Sie ist eine Bekannte von Ole, die ihn heute besucht und sie kommt ursprünglich aus Uummannaq, einer größeren Siedlung etwa 300km nördlich von hier. Ihr Deutsch ist wirklich gut und ich bin überrascht, als sie mir versichert, dass sie nie in Deutschland gewesen ist. Gerne hätte ich mich länger mit ihr unterhalten, aber die Kinder sind hungrig und als ich wieder nach draußen komme, ist sie bereits weg.

Von der Terrasse aus beobachten wir zwei Kinder, die einen einzelnen Welpen vor einen Schlitten gespannt haben, um ihn zu trainieren – augenscheinlich sind da aber noch einige Lektionen nötig, bis aus dem Tier ein echter Schlittenhund wird.

Am Nachmittag leihen wir uns von Ole einen Schlitten aus und mak-IMG_7782chen einen Rundgang durch Rodebay und zum Meer auf der anderen Seite des Orts. Hier grenzt der Ort an das offene Meer und die Küste ist ungeschützt dem Wind und den Wellen ausgesetzt. Im flachen Wasser sind einige Eisberge gestrandet. Es ist Ebbe und so kann man auf den Granitfelsen am Ufer herumklettern und die unterspülte Eiskante und die kleinen Höhlen erkunden, die voller Eiszapfen hängen.

Die Kinder haben viel Spaß mit dem geliehenen Schlitten, sie schieben und ziehen einander durch den Schnee und spielen „Hundeschlitten“. Morgen, so ist es zumindest geplant, werden wir dann endlich mit einem richtigen Hundeschlitten fahren…

Bei unserem Rundgang ist leider auch deutlich zu erkennen, dass viele der Häuser im Dorf leer stehen und verfallen. Einst hatte Rodebay ca. 200 Einwohner, heute sind es nur noch 40. Außer „Jäger“ und „Fischer“ bietet der Ort wenig Perspektive und so ziehen immer mehr Menschen fort.

Am späteren Nachmittag fährt Ole noch einmal nach Ilulissat und sagt uns, er sei bald zurück. Aber auch als es längst dunkel ist, ist er noch nicht zurück gekehrt. Wir wundern uns, machen uns aber weiter keine Gedanken…

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