Winterreise nach Grönland (3) – eine Bootsfahrt nach Ilimanaq

Am nächsten Tag steht für uns eine Bootsfahrt in die kleine Siedlung Ilimanaq südlich des Eisfjords auf dem Programm.

Ilimanaq liegt etwa 15 km Luftlinie südlich von Ilulissat und umfasst heute nur 52 Einwohner. Der Ausflug, an dem wir teilnehmen ist ausnahmsweise eine organisierte Tour, bei der wir direkt vom Gästehaus abgeholt werden. Dick eingepackt fahren wir zum Hafen. Der Himmel ist heute leider wolkenverhangen und düster, gelegentlich schneit es. Eigentlich k-IMG_4242.JPGerwarten wir ein Passagierboot, ähnlich jenen der Arctic Umiaq Line (AUL), die im Sommer die Diskobucht bedienen. Zu unser großen Überraschung werden wir aber zu einem alten Fischerboot gebracht, das auf den ersten Blick wenig vertrauenerweckend aussieht:  die Farbe blättert ab, überall ist Rost zu sehen, Teile der Reling fehlen und hier und da hat die obere Bordwand Löcher. Wir klettern – zusammen mit den ca. 6 anderen Passagieren – an Deck und dann geht es ohne weitere Erklärungen los. Die Stadt zieht an uns vorbei und dann erreichen wir auch schon die riesigen Eisberge, die am Ausgang des Eisfjords festsitzen: der Fjord ist etwa 1000 m tief, am Ausgang jedoch befindet sich eine Moräne aus früheren Eiszeiten, das Wasser ist hier nur noch 200m tief. Dort laufen die größeren Eisberge auf Grund und schmelzen dann langsam ab oder zerbrechen in kleinere Teile, die dann weiter aufs Meer hinaus schwimmen.

Die Kinder stehen im Bug des Boots und können sich vom Anblick der Eisriesen nicht losreißen. In Weiß und Blautönen schimmert das Eis, hier und da passieren wir ein k-IMG_4269.JPGFischerboot und überall sind Möwen (und überraschenderweise auch Raben), die nach Beute suchen. Das Wasser der Fjords ist sehr nährstoffreich, daher gibt es hier einen großen Reichtum an Fischen. Auch Robben und Wale sind hier in großer Menge anzutreffen und ermöglichen seit tausenden von Jahren den lokalen Fischern und Jägern eine Auskommen.

Wir sehen leider weder Robbe noch Wal, nur Eisberg um Eisberg zieht an uns vorbei. Schon seit über einer Stunde sind wir unterwegs und noch immer ist unser Ziel noch nicht in Sicht. Langsam wird es kalt auf dem Boot. Wir rätseln, ob wir einfach in die kleine Kajüte gehen können, um uns aufzuwärmen, doch dann sehen wir endlich die ersten bunten Holzhäuschen. Als wir näher kommen, bemerken wir, wie steil das Ufer hier ist. Der kleine Pier erhebt sich als hohe Wand vor uns und die schwenkbare Treppe daneben ist vollkommen vereist. Eine senkrechte Metallleiter scheint dk-IMG_4409.JPGie einzige Möglichkeit zu sein, hinaufzukommen, und tatsächlich legen wir genau dort an. Das ist uns dann doch ein wenig unheimlich! Aber: einen anderen Weg gibt es nicht und so klettern wir, als das Boot vertäut ist, einer nach dem anderen die Leiter hinauf. Niklas hat dabei keine Probleme, aber für Jaaku ist schon schwieriger. Lars, der ja sehr groß ist sichert ihn von unten und mit etwas gutem Zureden klettert er ebenfalls hinauf – nur gut dass der Wellengang heute gering ist!

Oben werden wir von Regina, der Lehrerin der 8 Siedlungskinder, in Empfang genommen und zu ihrem Haus geführt, wo ein warmes Mittagessen auf uns wartet. Es gibt eine Eintopf k-IMG_4422mit Nudeln und Moschusochsenfleisch, und einen mit Finnwal und Reis. Den Geschmack von Moschusoche kennen wir bereits von unserem ersten Grönlandbesuch, Wal dagegen esse ich zum ersten Mal. Fleisch und Fett haben einen leicht fischigen Geschmack, der allerdings schnell verfliegt, das Fleisch unterscheidet sich ansonsten nicht viel von anderem dunklen Fleisch. Das Essen ist lecker und gibt neue Energie, und es ist interessant, einmal solch traditionelle grönländische Kost zu probieren.

Unsere Gastgeberin ist routiniert, sie macht dies vermutlich etwa zweimal pro Woche.  Dadurch ist leider wenig Gelegenheit für ein echtes Gespräch, was ich schade finde, denn ich hätte gerne mehr über das alltägliche Leben hier erfahren.

Nach dem Essen werden wir durch die Siedlung geführt, allerdings haben die Kinder wenigk-IMG_4444 Interesse an einem Rundgang und wollen lieber auf den gut ausgestatteten Spielplatz, den jedes noch so kleine grönländische Dorf besitzt, und so geht nur Lars mit während ich bei den Kindern bleibe.

Danach geht es zurück ins Boot. Diesmal über eine lange Alu-Leiter, die die Bootsbesatzung inzwischen aufgestellt hat. Die ist zwar nicht senkrecht, schwankt aber dafür mit dem Boot. Jaaku ist sehr nervös, aber auch diese Hindernis überwinden wir und kurze Zeit später sind alle wieder sicher an Deck. Inzwischen ist es freundlicher geworden, hier und da kommt sogar die Sonne durch und lässt die Eisberge in neuem Glanz erstrahlen.

Die Kinder sind erschöpft, und so ziehen wir uns doch bald in die kleine Kajüte zurück, wo die beiden schnell einschlafen, während wir draußen wieder die Eisberge bewundern.

Bald kommt Ilulisat in Sicht, wir fahren in den Hafen ein, von wo wir wieder zurück zu unserem Gästehaus gebracht werden. Es war ein interessanter und spannender Ausflug, der uns allerdings auch deutlich vor Augen geführt hat, dass wir hier uns hier eben nicht in einer „alles-ist-abgesichert-und-durchgeplant“ Touristengegend befinden, sondern selbst eine solche vorgebuchte Tour einen richtig abenteuerlichen Charakter hat.

zurück zu Teil 2                                                                                                                         zu Teil 4

Advertisements

2 Gedanken zu “Winterreise nach Grönland (3) – eine Bootsfahrt nach Ilimanaq

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s