Per Packraft auf dem Saimaa-See(7)

Am nächsten Tag verlassen wir den Kolovesi-Nationalpark und machen uns auf die lange Überfahrt nach Oravi und zum Linnansaari-Park, den wir ja schon von unserem Urlaub vor zwei Jahren kennen.k-IMG_8917.JPG

Aus der Bucht heraus paddelt wieder Niklas und ich lehne mich zurück. Plötzlich höre ich ein deutliches Zischen: irgendwo entweicht Luft! Alarmiert springe ich auf und suche panisch die Quelle der Geräusches. Und tatsächlich: oben auf dem Schlauch, wo gerade Wasser draufgespritzt war, zeigen sich Luftblasen. Noch ein Loch! Zum Glück habe ich das Patch&Go-Tape griffbereit. Ich säubere die Stelle und flicke das Loch. Das Problem ist behoben, aber ich bin verunsichert und mein Vertrauen in das Boot ist erschüttert. Ständig überprüfe ich den Druck der Schläuche, inspiziere jede Unregelmäßigkeit, jeden kleinen Kratzer, phantasiere von Fischen, und Insekten, die das Boot anknabbern bzw. Löcher hineinstechen und schwöre mir, nach diesem Urlaub nie mehr einen Fuß in ein Packraft zu setzen. Das ist natürlich alles vollkommen irrational und im Rückblick stellt sich die ganze Geschichte auch völlig anders dar (siehe unten*). Und, wie Leser dieses Blogs wissen, fahre ich natürlich auch weiterhin gerne und viel mit dem Packraft!

Die erste Etappe der Überfahrt führt uns bei strahlend blauem Himmel und annähernd Windstille gute 11km weiter zu einem echten Campingplatz mit gut ausgebauter Infrastruktur, der allerdings die Saison bereits beendet hat. Wir lassen uns auf dem ausgestorbenen Gelände nieder und es ist ein seltsames Gefühl, zwar wieder in der Zivilisation zu sein, aber dennoch fast völlig allein. Wir kommen uns fast wie Eindringlinge vor.

Dk-CIMG4987.JPGer nächste Tag hält mit ca. 14km die längste Etappe der Tour bereit und wir bemühen uns um einen frühen Start. Ein schmaler Tunnel führt unter der Straße hindurch, dann haben wir die Zivilisation wieder hinter uns gelassen. Um uns herum ist alles still, kein Windhauch, kein Straßenlärm, das einzige Geräusch sind unsere Paddelschläge – ein unwirkliches Gefühl!

Wir kommen gut voran, merken aber auch ganz deutlich, das Packrafts für große Seengebiete nicht gerade das optimale Gefährt sind.

Zwischendrin machen wir nur eine kurze Pause um uns die k-CIMG5022.JPGBeine zu vertreten und erreichen gegen Mittag schon die Insel, auf der ein „Gästepier“ eingezeichnet ist. Wir passieren die betreffende Stelle, aber ein Pier oder Ähnliches sehen wir nicht. Ein kleiner Verschlag ist das einzige Zeichen von Zivilisation. Als wir anlegen, sehen wir, das der Verschlag ein provisorisches Klohäuschen ist und tatsächlich ist dies das einzige, was den „Gästepier“ auszeichnet. Ein schöner Lagerplatz ist es dennoch und so bauen wir hier Zelt und Hängematte auf, kochen und essen auf den warmen Felsen in der Sonne und baden in der sandigen Bucht.

*Sooo, und hier nochmal, wie versprochen die rationale Variante der Loch-Geschichte: Das Boot wird kracht von einem Windstoß auf einen Felsen geschleudert, zwei Löcher entstehen, eines an der Oberseite, eines an der Unterseite. Das Loch an der Unterseite finde und flicke ich sofort, an der Oberseite suche ich nicht gründlich genug. Durch einen Zufall werde ich dann doch noch auf das zweite Loch aufmerksam, flicke es und habe fortan keinerlei Probleme mehr. Erwähnenswert ist, das ist selbst mit dem zweiten Loch, das ja offenbar nicht ganz klein war, mehrstündige Tagesetappen gefahren bin, ohne einen relevanten Druckverlust im Boot. Und bei dem, was die Boote schon alles mitgemacht haben (felsige Stromschnellen, Sand, Stöcke, Steine und vor allem: spielende Kinder), hat die Episode im Nachhinein unser Vertrauen in die Boote eher gestärkt!

 

 

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2 Gedanken zu “Per Packraft auf dem Saimaa-See(7)

  1. Hallo,
    Danke für eure Berichte. Für uns war es lustig zu lesen, dass es auch noch andere Familien gibt, die solche Ferien lieben und die vielen Gemeinsamkeiten. 😀Wir sind auch gerne unterwegs, besonders im Norden. Seit Jahren mit demselben Zelt wie ihr und neu ab diesem Sommer auch mit 2 Packraft. Bisher haben wir die ganze Familie in ein packboat Faltkanu gepackt. Unsere zwei Mädchen haben dieselben Husky Stofftiere, die schon viele Male dabei waren😊. Und auch sonstige kleine Gegenstände erkennen wir wieder. Für die Kinder habe ich aus unseren alten Daunenschlafsäcken quilts genäht, damit alles kompakter und leichter wird.
    Auch wir gehen manchmal im Schnee zelten mit den Kindern, was unser Umfeld nicht verstehen kann.🙂Aber es ist doch so schön draussen unterwegs zu sein. Natürlich sind wir schon wieder unsere nächsten Abenteuer am planen und freuen uns mächtig darauf.
    Wir wünschen euch noch viele schöne Erlebnisse und Entdeckungen
    Liebe Grüsse
    Susanne

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