Zelten zwischen Mauerresten: ein Wochenende auf der Schmidtburg im Hunsrück

Letztes Wochenende waren wir tatsächlich so bescheuert motiviert, und sind fast 500km weit in den Hunsrück gefahren (am Freitagnachmittag, während des Bahnstreiks; die Straßenverhältnisse kann k-CIMG3515man sich wohl ausmalen).

Vor einiger Zeit hatte ich irgendwo im Internet gelesen, dass es dort eine Burgruine gibt, auf der man nach Voranmeldung zelten darf und das ist natürlich ein ganz großes Abenteuer für die Kinder (und für uns, so ehrlich müssen wir sein!). Und so sind wir denn am Freitag früh von der Arbeit gekommen und haben uns auf den weiten Weg gemacht. Nach fast 7(!) Stunden kommen wir ziemlich erschöpft in Schneppenbach an und parken vor dem „Zufahrt Verboten“-Schild bei der Schotterstraße, die zur Schmidtburg führt. Da wir nicht wissen, ob wir weiterfahren dürfen, laden wir uns jeder einen großen k-IMG_3447Rucksack auf den Rücken und machen uns auf den ca. 1km weiten Weg. In langgezogenen Serpentinen geht es bergab durch dichten Laubwald, bis sich plötzlich der Blick auf die Burg öffnet: an drei Seiten umgeben vom Hahnenbach und zwischen bewaldeten Hängen erstreckt sich die Ruine über 240m entlang eines Bergrückens. Verlassen liegt die Burg vor uns, nur die Grundmauern sind erhalten. Nahtlos gehen Fels und Mauerwerk ineinander über, steile Treppen und ausgetretene Wege laden zur Erkundung ein. Wir sehen uns an und wissen: die Fahrt hat sich gelohnt!

Als wir noch etwas ziellos umherlaufen, kommt der Burgvogt – der uns bereits erwartet – aus seinem Quartier in der Unterburg und zeigt uns alles Wichtige. Da wir tatsächlich bis zur Burg fahren dürfen, holt Lars das Auto nach und wir schlagen unser Lager zwischen den Mauern eines alten Wirtschaftsgebäudes auf. Wir grillen über dem Lagerfeuer, während die Kinder in ihrer Neugier kaum zu bändigen sind.

Bis wir schließlich in den Schlafsäcken liegen ist es schon halb elf… Das heißt allerdings nicht, dass wir am nächsten Morgen ausschlafen dürfen. Weit gefehlt! Bereits um 7 Uhr sind die Kinder wach und noch vor dem Frühstück müssen wir jeden Winkel der Burg erkunden. Von einem Ende zum anderen laufen wir, um die Burg herum, die Treppen hinauf und hinunter… da kommen schon einige Kilometer zusammen!

Als endlich die erste Neugier gestillt ist (und der Hunger, den die Bewegung mit sich bringt), brechen wir zu einer k-IMG_3633Wanderung auf der „Traumschleife“ rund um das Hahnenbachtal auf. 2012 als „Deutschlands schönster Wanderweg“ ausgezeichnet hat die Tour sowohl landschaftlich als auch kulturhistorisch viel zu bieten. Der Weg führt uns am Hang und am Bach entlang erst einmal zur Ruine „Hellkirch“. Unterwegs ist unter anderem ein alter Bergbaustollen zu erkunden, der 7-8m weit in den Berg hineinführt und frei begehbar ist.

Nach einer Rast bei der Hellkirch (einer Ruine von unbekanntem Alter und Zweck), geht es über steile, bewaldete Hänge, über blühende Wiesen und Schieferhalden, mal auf schmalen Pfaden, mal auf breiten Forstwegen zur Altburg (einer keltischen Befestigungsanlage) und zum Besucherbergwerk Herrenberg, wo wir zu Mittag essen. Von dort aus hat man zum ersten Mal einen schönen Blick auf die Schmidtburg auf der gegenüberliegenden Anhöhe. Für Bergwerk oder Fossilienmuseum nehmen wir uns diesmal leider keine Zeit, sondern wandern bald darauf weiter. Immer wieder haben wir tolle Ausblicke auf die Schmidtburg. Wir passieren zwei Felsentunnel, über die früher der Schiefer abtransportiert wurde und erreichen bald darauf wieder die Burg und unser Lager.

Traumschleife Hahnenbachtal

Dort tobt Niklas sich erst einmal aus und rennt immer wieder kreuz und quer über das gesamte Burggelände. Man sollte doch eigentlich meinenk-IMG_3940, dass ein Fünfjähriger nach 9,5km Fußmarsch erst einmal eine Pause braucht…

Abends machen wir „Pfannenpizza“ überm Lagerfeuer. Später ziehen dunkle Wolken auf und bald darauf geht ein heftiger Schauer über uns nieder. Zum Glück dauert der Spuk nur kurz und bald malt die Sonne einen intensiven Regenbogen an den Himmel.

Diesmal wird der Abend nicht gar so spät und am nächsten Morgen packen wir dann schon recht bald unsere Sachen. Die Kinder wollen am liebsten garnicht weg und auch wir planen, bald wiederzukommen – am besten im Herbst, bei voller Farbenpracht.

Wir machen noch einen Abstecher nach Idar-Oberstein, wo wir bei einer Mine nach „Edelsteinen“ suchen. Uns Erwachsenen macht das wenig Spaß, aber die Kinder sind begeistert – besonders Niklas sucht fieberhaft und kommt mit reichlicher Ausbeute nach Hause. Jaaku dagegen wäscht lieber Steine und wir haben unsere liebe Not ihn davon zu überzeugen, dass wir nicht 10kg graubraunes Gestein mitnehmen müssen.

Alles in allem – trotz langer Anfahrt – ein sehr lohnendes Wochenende, und zelten auf einer Ritterburg ist wirklich ein tolles Abenteuer, besonders wenn man dann auch noch das Glück hat, die Burg ganz für sich allein zu haben.

Impressionen von der Schmidtburg

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6 Gedanken zu “Zelten zwischen Mauerresten: ein Wochenende auf der Schmidtburg im Hunsrück

  1. Guten Abend,

    Ihr schreibt etwas, dass ihr direkt mit dem Auto zur Burg fahren konntet? schaut man sich die Satelittenbilder in Google Maps an, so sieht man auch, das vor der Burg Autos stehen. Allerdings sieht man keinen eindeutigen Weg, der für Autos passierbar ist. Können sie mir weiterhelfen, wie Ihr genau gefahren seit?

    Viele grüße

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  2. Hallo,
    Erst einmal vielen Dank für euren Bericht und die schönen Fotos!:)
    Ihr schreibt man müsse sich telefonisch beim Burgherrn voranmelden,doch finde ich keine Kontaktinfos zum Campingplatz im Internet. Habt ihr mir vielleicht den Link? Auch über die Infos bzgl der Anfahrt über die gesperrte Straße wäre ich dankbar…
    Lieben Dank im Voraus!

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    1. Hallo,
      die Kontaktdaten vom Burgvogt findet man zwar auch im Netz, aber nur ziemlich schwer. Ich schicke dir die Nummer und die Zufahrtinfos per Email (eine fremde Telefonnummer möchte ich ungern einfach so im Internet veröffentlichen).
      Viele Grüße,
      Juliane

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  3. Ein sehr schöner Bericht. Werde jedesmal neidisch wenn ich eure Touren lese.
    Wie sieht es auf Burg eigentlich mit Sanitäranlagen aus? Habt ihr da ein Campingklo mit oder den guten alten Spaten?
    Mit freundlichen Grüßen
    Jens

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    1. Hallo Jens,
      es gibt dort ein einfaches Plumsklo am Hang außerhalb der Burgmauern (Klopapier ist oft vorhanden, man sollte aber zur Sicherheit welches mitnehmen). (Genau genommen gibt es sogar ein zweites Klo irgendwo beim Burggarten) Auch eine Leitung mit fließendem Wasser ist (auf der entgegengesetzten Burgseite) vorhanden.
      Meist ist an den Wochenenden auch der Burgvogt vor Ort, der zeigt einem dann erstmal alles…
      Viele Grüße,
      Juliane

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