Neoprensocken selbstgemacht: Nähen für Nervenstarke

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mit Frottee kaschiertes Neopren, 2,5mm, angepasstes Schnittmuster für Schuhgröße 31 (nominell 27-28, verlängert und verbreitert)

Seit unserer Lappland-Tour im Sommer bin ich ein großer Fan von Neoprensocken. Ich hatte ein Paar der Dicke 1mm dabei und habe sie sowohl im Boot als auch im Camp fast durchgängig getragen, meist in Kombination mit Tevasandalen, nur an den kälteren Tagen hatte ich noch Neoprenschuhe drüber. Das hat die Füße eigentlich immer gut warm gehalten, egal ob man nun durchs Wasser läuft oder durch feuchtes Gebüsch.

Die Kinder hatten Wollsocken an und darüber Gummistiefel, was eigentlich auch ganz gut funktioniert hat, wenn da nicht das Talent der Beiden wäre sich zu jeder Gelegenheit beim Spielen nasse Füße zu holen (ich glaube das würden die sogar in der Wüste schaffen!). Neben der in

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zwei Lagen Neopren mit Applikationsstich übereinander geheftet, so dass die Nadel nur links auf Stoff trifft

Dauerschleife geäußerten Ermahnung „Nicht so tief rein!“ musste also eine andere Lösung her, nämlich Neoprensocken. Nur: die gibt es nicht in Kindergrößen (zumindest habe ich trotz umfangreicher Recherchen nichts wirklich Taugliches gefunden). In meiner grenzenlosen Naivität beschloß ich also einfach(!!!) selber welche zu nähen – der Ansatz hatte ja auch schon bei den Daunenschlafsäcken für die Kinder geklappt, auf die Art bin ich vor ein paar Jahren überhaupt erst zum Nähen gekommen.

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Nach dem Nähen lassen sich die Stofflagen mit etwas Ziehen und Zerren aufklappen, die Kanten liegen dann bündig aneinander und sind eng verbunden. Das ist zwar nicht wasserdicht, minimiert aber zumindest das Eindringen von Wasser

Also besorgte ich mir Neopren (1,5mm, beidseitig mit Jersey kaschiert und 2,5mm mit Jersey bzw. Frottee kaschiert) beim Webshop von Funfabric, dazu die dort empfohlenen Nadeln und Nähgarn und dann musste ich erst einmal einen geeigneten Schnitt finden. Aber: wer näht schon Socken? Offenbar garnicht so Wenige, denn eine kurze Websuche brachte gleich eine Vielzahl an Ergebnissen. Ich entschied mich für dieses Muster samt Anleitung. Das Ganze habe ich dann zur Probe erst einmal aus einem einfachen Jerseystoff genäht. Die Passform schien in Ordnung, die Socken fielen aber recht groß aus, was natürlich auch daran liegt, das der Jersey enorm dehnbar ist. Die Größe 27-28, die ich für meinen Jüngsten genäht hatte, habe ich problemlos an meine eigenen Füße gekriegt.

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das Gleiche nochmal von der anderen Seite betrachtet

Als nächstes stand ich vor dem Problem, wie ich das Neopren am besten vernähe. Wichtig war mir, möglichst flache Nähte zu haben, damit sich die Socken auch in Gummistiefeln bequem tragen lassen. Durch die Dicke des Materials macht es also am meisten Sinn, einfach Kante an Kante bündig zu vernähen. Nach einigem Herumprobieren habe ich dazu einen Applikationsstich verwendet, der am Teststück die besten Ergebnisse brachte.

Also, ran an die erste Testsocke. Ich habe dazu wieder die Größe 27-28 gewählt und ein Neoprenstück von 1,5mm Dicke verwendet. Was folgte war ein einziger Kampf: die erste Seite klappte noch einigermaßen, aber aufgrund der Enge und den kleinen Abmessungen war es dann nur noch unter größten Verrenkungen möglich, die zweite Seite zu schließen. Irgendwie habe ich die Socke dann doch noch ganz vernünftig hingekriegt, aber nochmal wollte ich das nicht versuchen!

Die Anprobe ergab dann, dass die Socke für den Kleinen viel zu groß ist, dem Großen, der momentan Schuhgröße 31 trägt passte sie hingegen ganz hervorragend. Also: mindestens drei Größen kleiner nähen!

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zuerst wird der Abnäher der Ferse genäht

Ich musste also nochmal ans Reißbrett und noch ein bisschen mehr testen. Da ich von dem dünneren Neopren nicht besonders viel gekauft hatte, benutze ich jetzt das dickere mit Frotteekaschierung. Ich habe also noch ein bisschen mit dem Applikationsstich herumexperimentiert und eine ziemlich gute Lösung gefunden: ich lege beide Stoffteile übereinander und nähe dann so, dass die Nadel links in das Neopren sticht, rechts dagegen ist Luft. Das ganze bei mittlerer Fadenspannung genäht ergibt, dass man nachher beide Teile mit etwas Ziehen und Zerren auseinanderklappen kann und die Teile somit wieder Kante an Kante zusammengeheftet sind. Da die beiden Neoprenteile beim Nähen aufeinander liegen, erspart einem dieses Vorgehen viel Gefummel und Gefluche. Diesmal habe ich erst einmal für mich eine Testsocke genäht* (in Größe 35-36, normalerweise trage ich Größe 39). Das Nähen klappte wunderbar

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dann werden die beiden Seiten geschlossen

und vom Ergebnis war ich mehr als angetan, also kam als nächstes noch einmal eine Socke für den Großen dran. Da ging dann wieder alles schief: das Stichbild war gräßlich und unregelmäßig, dauernd hatte ich einen riesigen Fadensalat und eine Nadel ging auch noch bei drauf. Als die Socke dann endlich mehr schlecht als recht fertig war passte sie noch nicht einmal: in der Länge zwar OK war sie jetzt zu schmal für den Fuß. Also schnell das Schnittmuster um einen Zentimeter verbreitert.

Die Probleme mit dem Stichbild waren schwieriger zu lösen. Nach einigem Hin und Her bin ich drauf gekommen, dass der Faden auf der recht großen Kone sich zu locker abspult. Testweise habe ich dann etwas von dem Garn auf eine herkömmliche Garnrolle gespult und siehe da, das Stichbild war einwandfrei und der Faden wurde gleichmäßig und problemlos vernäht.

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das fertige Paar Neoprensocken; sitzt bequem und hinreichend eng, an der Passform der Ferse besteht noch Verbesserungsbedarf

Und dann konnte ich endlich ein Paar Neoprensocken für den Großen nähen. Mit der Passform an der Ferse bin ich nicht zu 100% zufrieden, aber fürs Erste reichts.

Ein Praxistest steht noch aus. Die Nähte sind natürlich nicht abgedichtet, aber das sind sie bei meinen Neoprensocken auch nicht. Meine einzelne genähte Socke hatte ich schonmal in kaltem Wasser getestet und für gut befunden (speziell von der Froteekaschierung auf der Innenseite war ich angetan). Tja, und dann steht mir das Theater auch noch mit den Socken für den Kleinen bevor (also richtige Größe und Passform finden etc.).

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und hier nochmal in den Gummistiefeln

Mein Fazit: ich nähe jetzt ja seit über vier Jahren und mein (arg ambitioniertes) Einstiegsprojekt war, wie erwähnt, ein Kinder- Daunenschlafsack. Inzwischen habe ich einiges an Material vernäht (und verflucht), von Funktionsjersey über stabile Planen bis zu dickem Teddyfleece, aber die Neoprensocken haben mich doch mit Abstand am meisten Nerven gekostet. Naja, neben ca. 100 Wegen wie es nicht klappt, weiß ich jetzt ja eine Art, wie es geht. Jetzt bin ich nur noch auf den ersten Praxistest gespannt. Zum Glück muss ich ja meine Kinder nicht dazu auffordern, sich die Füße nass zu machen, das passiert von ganz allein!

*Das hielt ich aus vielerlei Gründen für sinnvoll. Zum Einen kann ich natürlich Passform, Tragekomfort und ggf. Problemstellen besser beurteilen und erkennen als die Kinder und zum Anderen stehe ich mir jederzeit als Modell zur Verfügung und bin hinreichend kooperativ – sehr im Gegensatz zu meinem Nachwuchs!

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